Kräuterführung in der Urlaubsregion Altenberg

Mit Kräuterfrau Bruni unterwegs

Kräuterfrau Bruni Foto: Egbert KamprathDie Urlaubsregion Altenberg steht nicht nur für Sport und Erholung, sondern auch für die wunderschöne Natur sowie deren vielseitige Pflanzen. Die einheimischen Pflanzen sind zum einen schön anzuschauen, aber zum anderen auch für die gesundheitsfördernde Wirkung bekannt. Die Kräuterfrau Bruni aus dem Ortsteil Schellerhau beschäftigt sich schon lange mit der Pflanzenheilkunde und gibt ihr Wissen zur Kräuterführung weiter.

Im Interview mit Kräuterfrau Bruni zu Pflanzenheilkunde, Arbeit und Leben

TIB (Tourist-Info-Büro): Wie sind Sie auf das Thema der Pflanzenheilkunde aufmerksam geworden und wie lange beschäftigen Sie sich bereits damit?

Bruni: Vor über 50 Jahren habe ich in meinem 1. Beruf ein Meisterstudium absolviert. Als Rinderzuchtmeisterin musste ich natürlich alle Pflanzen auf Weiden und Wiesen kennen und über ihre Wirkungen Bescheid wissen. Das war der Beginn meiner intensiven Arbeit mit Pflanzen. Leider musste ich aus gesundheitlichen Gründen diesen schönen Beruf aufgeben und lernte um, zur Lehrerin für die Unterstufe. Vor mehr als 40 Jahren habe ich dann „Schulgarten“ unterrichtet und eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Gärtner“ gehabt. Später in Heidenau sammelten wir in den Sommerferien Heilkräuter wie Huflattichblätter, Wegerich sowie Brom- und Himbeerblätter. Alles wurde getrocknet und in die Drogenmühle Heidenau geliefert. Um die Kinder zu begeistern, musste ich natürlich auch darüber etwas sagen können. Sehr geholfen haben mir z. B. die Klosterbücher, Weiterbildungsveranstaltungen bei der Volkshochschule und vieles mehr.

 

TIB: Wie lange sind Sie nun schon „Kräuterfrau Bruni“?

Bruni: 2002 habe ich im Botanischen Garten Schellerhau begonnen zu arbeiten. Meine Aufgabe war damals, eine kleine Ecke, das „Kräuterland Erzgebirge“, im Botanischen Garten zu errichten. Also beschäftigte ich mich noch intensiver mit den hiesigen Pflanzen und wurde somit „Kräuterfrau Bruni“.

 

TIB: Welche besonderen heilsamen Pflanzen kann man hier finden? Welche Pflanzen fühlen sich ganz besonders in unseren Gefilden wohl?

Bruni: Hier wachsen ein paar ganz besondere Pflanzen, die aber unter Naturschutz stehen. Genauer gehe ich darauf  in meinen Kräuterführungen ein. Pflanzen, wie Spitzwegerich, Johanniskraut, Goldrute, Blutwurz, Bärwurz und viele andere mehr fühlen sich aber besonders bei uns sehr wohl.

 

TIB: Was sind Ihre Lieblingskräuter und warum?

Bruni: Es ist schwer für mich zu sagen – „das ist mein Lieblingskraut!“. Ich liebe jedoch die Brennnessel, den Giersch, den Löwenzahn, den Bärwurz und alle Kräuter, die solche Bitterstoffe haben. Ich habe gemerkt, dass mein Körper das braucht.

 

TIB: Wo kann man Heilkräuter finden?

Bruni: Auf naturbelassenen Wiesen, wovon wir hier zum Glück noch viele haben. Auch an Waldrändern wächst so manches Kräutlein. Auch Bäume und Sträucher gehören zu den Heilkräutern und die Auswahl ist groß. Wenn wir nur so viel sammeln wie wir für 1 Jahr benötigen, hilft das der Pflanze, andere Sammler bekommen auch noch etwas und wir können sie nutzen.

 

TIB: Was muss man beim Sammeln der Pflanzen beachten?

Bruni: Wichtig ist zuallererst, dass man die Pflanze genau kennt! Steht sie unter Naturschutz, bitte Finger weg davon. Außerdem sollte man die Pflanze nicht ausreißen, sondern nur abpflücken. Am besten eignet sich ein Körbchen oder ein Stoffbeutel zum Lagern. Des Weiteren muss die Pflanze gesund und trocken sein. Weitere Tipps verrate ich Ihnen gern bei meinen Führungen.

 

TIB: Kann man Heilkräuter und Gewürzpflanzen nur frisch verwenden?

Bruni: Heil- und Gewürzpflanzen kann man frisch, aber auch getrocknet verwenden. Es gibt aber auch Pflanzen, die ihre Wirkung beim Trocknen verlieren. Bei der Verwendung gibt es eine Faustregel: 3 x so viele frische wie getrocknete Kräuter, z. B. für Tee

 

TIB: Haben Sie Tipps zum Trocknen der Kräuter?

Bruni: Beim Trocknen der Kräuter ist es ganz besonders wichtig, dass sie nicht mehr taunass sind. Am besten man bündelt 15-20 Stängel einer Pflanze (nicht mehr Stängel, damit es nicht zur Schimmelbildung kommt) und hängt diese auf. Bitte nicht in die pralle Sonne hängen, denn sonst werden alle wichtigen Inhaltsstoffe herausgezogen. Ein kleiner Luftzug eignet sich besonders gut. Sind die Kräuter „rascheldörr“ (gut getrocknet), kann man die Blätter und Blüten anschließend abrebeln und sie in luftdurchlässige Tüten oder Kartons lagern.

 

TIB: Haben Sie ein Lieblingsrezept aus Kräutern?

Bruni: Im Frühjahr mag ich ganz besonders gern die Brennnesselsuppe:

Zutaten: 2 Handvoll Kräuter, 25 g Butter, 2 EL Dinkelmehl oder Dinkelgrieß, 1 Liter Brühe, 1 Ei

Zubereitung: Mehlschwitze machen, Brühe dazu und kurz aufkochen. Kleingehackte Kräuter zugeben, kurz köcheln lassen. Mit Ei abziehen und eventuell noch mit Galgant würzen.

Die erste Brennnesselsuppe habe ich bereits am 10. März dieses Jahres gegessen!

 

TIB: Wo kann man sich hinwenden, wenn man noch mehr über das Thema der Pflanzenheilkunde erfahren möchte?

Bruni: Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder man bildet sich selbst mithilfe von Büchern weiter oder man besucht Kräuterführungen. Manchmal gibt es auch Vorträge von Ärzten, die mit Naturheilmitteln arbeiten. Ich selbst liebe solche Veranstaltungen nehme immer ganz viel neues Wissen mit.

Vielen Dank, liebe Bruni, für das Interview.Kräuterfiebel Urlaubsregion Altenberg

 

Kräuterführung immer donnerstags

Sind Sie neugierig geworden und wollen wissen, was man noch mit Pflanzen machen kann?

Unsere Kräuterfrau Bruni verrät es Ihnen zur Kräuterführung, die jeden Donnerstag (Mai-Oktober) stattfindet.

  • Treffpunkt: 14:00 Uhr im Tourist-Info-Büro Altenberg
  • Preis: Erwachsene 3,00 €, mit Gästekarte 1,50 €, Kinder 1,50 €, mit Gästekarte frei
  • Anmeldung: am Vortag bis 16 Uhr im Tourist-Info-Büro, Telefon: 035056 23993

Wir empfehlen Ihnen außerdem die Kräuterfibel, in der Sie Tipps und Tricks von Kräuterfrau Bruni erhalten. Die Kräuterfibel eignet sich auch als tolles Geschenk!

  • Preis: 3,00 €, mit Gästekarte 2,50 €